Reiseberichte und Links
Ghana-Bericht der Seite AFRICAN FEAVER
www.ghana.co.uk Promoting Ghana Throughout The World
Hier finden Sie den Bericht mit vielen Informationen über Ghana von einer Gruppe
Ghana-Reisender aus Deutschland, die im Sommer 2004 mit MONTANA-Tours eine Tour
durch Ghana unternommen haben:
Ghana se’w Akwaaba!
Willkommen in Ghana!
Es ist eine Erfahrung, die man nie wieder vergessen wird: Wir fahren mit einem Mitsubishi-Bulli durch ein kleines nordghanaisches Dorf nach dem nächsten und alle kleinen Kinder, die gerade am Straßenrand stehen, springen auf und winken, lachen, jubeln fast und schreien immer wieder „Father, Father!“ Wenn wir in einem Dorf anhalten müssen kommen sie angelaufen und wollen uns die Hand schütteln oder uns einfach nur ungläubig und neugierig bekucken. Weiße kommen hier nur sehr selten vorbei, viele Kinder haben noch nie welche gesehen. Wenn sich früher mal welche in dieses Gebiet begeben haben, dann meist als Missionare, die mit weisen Worten die oft noch heidnischen Nordghanaer zu bekehren versuchten, daher die Bezeichnung „Father“. Die älteren Nordghanaer sind zurückhaltender wenn sie uns sehen, doch auch sie winken und grüßen lächelnd und sind zu uns besonders höflich. Darüber freut man sich natürlich, aber dass wir wegen unserer Hautfarbe gleich für weise gehalten werden und automatisch eine Respektsperson zu sein scheinen, das ist uns doch eher unangenehm. Schließlich musste kein Land so unter der Kolonialzeit leiden wie Ghana, die ehemalige Goldküste. Aus keinem anderen Land wurden so viele Menschen als Sklaven nach Amerika verschleppt, wobei viele, zu tausenden eingepfercht auf engstem Raum, schon die Überfahrt nicht überlebten. Davon zeugen heute noch die Sklavenburgen an der Atlantikküste, in die die Sklaven gebracht wurden bevor sie nach Amerika verschifft wurden. Und auch die Bodenschätze, von denen die Einwohner erst heute selbst profitieren können, wurden von den Kolonialherren rücksichtslos ausgebeutet.
Die lippische (evangelisch-reformierte) Landeskirche unterhält eine Kirchenpartnerschaft mit dem westlichen und nordwestlichen Distrikt der ghanaischen E.P. (Evangelical Presbytarian) Church. Zu diesem Distrikt gehört das Gebiet des kleinen Concomba-Stammes im äußersten Nordwesten Ghanas. Dieser Stamm wurde erst in den 70er Jahren christlich, nachdem ein Pastor aus Detmold dort missioniert hatte. Er wird dort heute verehrt wie ein Heiliger: Kirchen, Schulen und andere Gebäude werden nach ihm benannt und sein Nachname wurde bereits einigen Neugeborenen als Vorname gegeben. Lippe hatte dieser Pastor in den 70er Jahren verlassen müssen, da die Landeskirche ihm keine Gemeinde mehr geben wollte, denn er hatte sich von seiner ersten Frau scheiden lassen und eine andere geheiratet. Ihm die Tätigkeit als Missionar im entlegensten Winkel Westafrikas zu finanzieren war damals das äußerste was eine Landeskirche für einen solchen Sünder tun wollte. 70er Jahre – noch gar nicht so lange her…
Gottesdienste in Afrika sind vollkommen anders als die drögen, ritualisierten in europäischen Kirchen. Hier wird getanzt und viel mehr gesungen, man kann zwischendurch umhergehen, bei der Predigt wird gejubelt und nach Gesangsbeiträgen geklatscht. Orgeln gibt es nicht, stattdessen wird getrommelt oder es spielt gleich eine halbe Big-Band. Wenn Spenden gesammelt werden, wird kein Klingelbeutel durch die Reihen gereicht, sondern alle Teilnehmer tanzen nacheinander zu Conga-Rhythmen auf einen kunstvollen Topf in der Mitte der Kirche zu, entrichten ihren Obulus und tanzen danach wieder zurück.
Die meisten Ghanaer sind heute christlichen Glaubens, es gibt aber auch viele Moslems. Der Islam kam schon im 11. Jahrhundert nach Westafrika, also viel eher als das Christentum. Viele hier sind sehr religiös, oft sieht man auf Autos biblische Sprüche. Viele Geschäfte haben religiöse Namen, wie bspw. „The Lord Is My Light – Frozen Fish Shop“ oder „No Jesus No Life Cement Store”. Handel treiben im Namen von Gott, Allah oder Jesus – in Ghana keine Blasphemie, sondern Zeichen starken Glaubens.
Der Norden Ghanas unterscheidet sich sehr vom Süden: Im Norden gibt es große Gebiete ohne Stromversorgung und noch seltener gibt es fließend Wasser. Die Straßen, vor allem die Nebenstraßen sind nur Sandwege in oft miserablen Zustand, Buckelpisten mit oft meterbreiten Wasserpfützen. Ganze Landstriche werden in der Regenzeit manchmal völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Die Häuser sind größtenteils Lehmhütten mit Strohdächern. Im Süden sieht es anders aus, die Straßen sind geteert und oft sehr gut, Strom und fließend Wasser gibt es fast überall, die Hütten sind gemauert und mit Wellblech gedeckt. Doch Abfälle und Abwässer werden im ganzen Land oft einfach nur in den Graben neben den Hütten geschüttet. Dass das oft stinkt wird dabei in Kauf genommen.
Die Hälfte der Ghanaer ist heute unter 16 Jahren alt, die Rate der Bevölkerungszunahme beträgt jährlich drei Prozent, bedingt durch bescheidene Fortschritte im medizinischen Bereich und die Tatsache, dass viele Kinder zu haben in Ghana immer noch ein Zeichen von Reichtum ist. Hunger leiden muss hier fast niemand, denn das Land ist so fruchtbar, dass einfach alles wächst. Als Ghana 1957 als erste britische Kolonie in Afrika unabhängig wurde, führte der erste Präsident des Landes, Kwame Nkrumah, eine sozialistische Bodenreform durch und bis heute besitzt deshalb eigentlich fast jeder Ghanaer irgendwo ein kleines Stück Land, das er bewirtschaften kann. Viele Ghanaer sind auch heute noch Selbstversorger.
AIDS wird sehr ernst genommen in Ghana. Die Aufklärung darüber und die Beratung bei Familienplanung und Verhütungsmitteln hat im medizinischen Bereich Vorrang. Ein ghanaisches Krankenhaus kann noch so heruntergekommen, in europäischen Augen unhygienisch und personell unterbesetzt sein: Für die AIDS-Aufklärung wird sich dort Zeit genommen, die Krankenschwestern gehen in die Dörfer und Schulen und klären auf, Kondome werden kostenlos verteilt. Überall in Ghana gibt es große Plakate, auf denen vor AIDS gewarnt wird und dazu aufgerufen wird, entweder treu zu sein oder sexuelle Enthaltsamkeit zu üben oder ein Kondom zu benutzen. Allerdings gibt es auch ähnliche Plakate der katholischen Kirche, auf denen sexuelle Enthaltsamkeit als einziger Weg zur Verhinderung einer AIDS-Infizierung genannt wird – selten wird die Gefahr, die von der päpstlichen Ignoranz in diesen Fragen ausgeht, so deutlich.
Ghana ist heute eines der wenigen wirklich demokratischen Länder Afrikas, aber der Weg zur Demokratie war lang und steinig. Der erste Präsident, Kwame Nkrumah, der die Unabhängigkeitsbewegung der Goldküste angeführt hatte und das Land 1957 in Ghana umbenennen ließ – Ghana war im Mittelalter ein florierendes westafrikanisches Königreich im Gebiet des heutigen Malis gewesen - wurde zunächst vom Volk sehr verehrt. Er war ein Panafrikanist, der von einem einheitlichen und starken afrikanischen Staat träumte und zusammen mit anderen Führern aufstrebender Dritte-Welt-Nationen, wie Cubas Castro, Indiens Nehru und Ägyptens Nasser ein Gegengewicht zur westlichen und sowjetischen Welt schaffen wollte. Allerdings wurde sein Regierungsstil immer diktatorischer und selbstherrlicher, so dass 1966 einige Generäle der Armee erfolgreich und vom Volk größtenteils beklatscht gegen ihn putschten. Doch danach fand Ghana lange Zeit nicht zu politischer Stabilität zurück, erste Versuche mit Zivil-Regierungen wurden immer wieder weggeputscht. Erst 1981 putschte sich mit dem jungen Fliegerleutnant Jerry John Rawlings ein Mann an die Macht, der Ghana wieder zu wirtschaftlichem Aufschwung und stabilen politischen Verhältnissen führen sollte. Zwar regierte er bis 1992 autoritär, aber dann wagte er den Übergang zur Demokratie und wurde als Zivilist vom Volk in direkter Wahl zum Präsidenten gewählt. Nachdem er 1996 wieder gewählt wurde, legte er Ende 2000 sein Amt als Präsident nieder, denn seine eigene Verfassung erlaubte ihm keine dritte Amtszeit. Den Beweis, dass Ghanas Demokratie auch wirklich funktioniert, wurde dann 2001 erbracht, als mit John A. Kufour der Kandidat der größten Oppositionspartei zum neuen Präsidenten gewählt wurde und die Übernahme der Regierungsgeschäfte reibungslos funktionierte.
Ein Grund für Ghanas Aufstieg ist das für afrikanische Verhältnisse relativ gute Bildungssystem. Gleich 1957 wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt und Colleges und Universitäten gegründet. Doch viele junge, gut ausgebildete Ghanaer sehen in Ghana keine Zukunft mehr und wollen oft unter allen Umständen nach Europa oder in die USA auswandern. Viele stehen am Fughafen oder sprechen westliche Touristen auf der Straße an, um Adressen zu bekommen und Kontakte zu knüpfen.
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